Vor zwei Wochen haben wir im ersten Teil dieser Serie die Basis gelegt: Du weißt jetzt, wie sich Couperose und Rosazea unterscheiden, warum manche Hauttypen stärker betroffen sind, welche Rolle Genetik, Trigger, Umweltfaktoren und sogar das Auge spielen – und warum Rosazea weit mehr ist als „sensible Haut“. Falls du den Auftakt verpasst hast, findest du ihn hier.
Heute geht es einen entscheidenden Schritt weiter:
Deine Kund:innen brauchen nicht nur Erklärungen – sie brauchen Ergebnisse. Mit Wissen zeigst du deine Professionalität: welche Behandlungen wirklich funktionieren, welche gefährlich sind, was die Technik in der Haut biologisch auslöst und wie du Rosazea-Haut stabilisierst, statt sie zu überreizen. Dazu bekommst du kompakte Strategien, wie du Behandlungen sicher empfiehlst, ohne verkäuferisch auftreten zu müssen.
Der klare Unterschied – bevor wir über Behandlungen sprechen
Bevor wir einzelne Behandlungen durchgehen, ist eines entscheidend: Couperose und Rosazea dürfen nicht immer gleich behandelt werden. Die Ursache mag ähnlich sein – aber der Zustand der Haut ist es nicht.
Couperose bedeutet: Gefäßschwäche ohne Entzündung. → leicht empfindlich, aber strukturell belastbarer
Rosazea bedeutet: Gefäßschwäche plus aktive Entzündung. → hochreaktiv, reizbar, unberechenbar
Darum ist Couperose in vielen Fällen robuster und verträgt Behandlungen, die bei Rosazea sofort Schübe auslösen würden. Dermatologische Quellen und die medizinischen Übersichten zu Couperose/Rosazea betonen genau diese Behandlungsgrenze.
Du brauchst also zwei Behandlungsschienen – eine für Couperose, eine für Rosazea –, die sich in manchen Teilen überschneiden, aber nicht identisch sind.
Behandlungen, die nur bei Couperose geeignet sind
Bei Couperose sind die Gefäße erweitert, aber die Haut ist nicht entzündet. Dadurch toleriert die Haut vorsichtige mechanische oder chemische Reize. Trotzdem braucht es Fingerspitzengefühl, um ein Fortschreiten in Richtung Rosazea zu verhindern.
Mikrodermabrasion – nur bei stabiler Couperose
- kann leichte Verhornungen reduzieren
- darf nur mit sehr sanften Aufsätzen erfolgen (sehr niedrige Intensität)
- niemals bei sichtbar gereizter oder heißer Haut
Für Rosazea ungeeignet, da mechanische Reize die Entzündung massiv verstärken.
Milde chemische Peelings (nur sehr sanft!)
- Enzym- oder sehr leichte Fruchtsäure-Peelings
- nur bei stabiler Couperose
- keine AHA/BHA bei empfindlicher Haut
damit können:
- Verhornungen gelöst
- die Aufnahmefähigkeit der Haut verbessert werden
Nicht einsetzen bei Rosazea, da selbst milde Säuren Schübe triggern.
Behandlungen, die sowohl bei Couperose als auch bei Rosazea möglich sind
Diese modernen Verfahren wirken entzündungsmodulierend, gefäßstabilisierend und respektieren die überempfindliche Struktur einer Rosazea-Haut. Hier findet deine wirklich professionelle Arbeit statt.
LED-Lichttherapie – kontrolliertes Licht statt Triggerlicht
Bestimmte Wellenlängen sind wissenschaftlich belegt:
- 633 nm (Rotlicht) → beruhigt Entzündung
- 830 nm (Nahinfrarot) → fördert Heilung, Barriereaufbau
Professionelle LED-Systeme arbeiten mit exakt definierten Spektren – Haushaltslampen können das nicht.
LED ist ideal für:
- aktive Rosazea
- Couperose
- zwischen RF-Sitzungen
- Post-IPL-Beruhigung
Radiofrequenz – Wärme genau dort, wo sie therapeutisch wirkt
Die reine Radiofrequenz-Behandlung ist gerade bei Rosazea ideal, weil:
- keine mechanische Verletzung entsteht
- die Epidermis nicht gereizt wird
- Wärme kontrolliert in der Dermis wirkt
- Gefäße moduliert und gestärkt werden
- die Barriere geschont bleibt
RF-Typen und ihre Wirkung:
- Monopolar: tief reichende Wärme
- Bipolar: oberflächlich, sehr sanft
- Multipolar: kombinierte Effekte
- Fraktionierte RF (Platin-Applikator): stark stabilisierend, maximal verträglich
Warum RF bei Rosazea so gut funktioniert:
Wärme wird in der Tiefe erzeugt, nicht an der Oberfläche – damit entsteht kein Trigger für Flushing oder Hitzereaktionen.
Radiofrequenz-Microneedling – minimal-invasiv, maximal kontrolliert
Viele Kosmetiker sind sich nicht sicher über den Einsatz von RF-Microneedling bei Rosazea, aber es ist die Radiofrequenz-Energie, die einen therapeutischen Effekt auf die Gefäße hat. Das mechanische Trauma wird durch die Wärmeenergie "überschrieben" – der Körper reagiert auf die Wärme, nicht primär auf die Verletzung. Studien zeigen Reduktion von Rötung und Entzündung, keine Verstärkung.
Warum funktioniert es?
- Nadeln dringen kalt ein
- RF-Energie wird erst in der Dermis abgegeben
- Oberflächenschicht bleibt geschont
- modulierende Wirkung auf Gefäße und Entzündungsmediatoren
Deshalb ist RF-Microneedling bei stabiler Rosazea erlaubt und wirksam, klassisches Needling jedoch nie!!
Variante 1: RF-Microneedling mit vergoldeten/isolierten Nadeln
(Energie nur an der Nadelspitze)
- sehr präzise und gezielt in tieferer Dermis
- minimales Oberflächentrauma (weil Nadel kalt ist)
- ideal für dünne, reaktive Haut
- optimal bei Rosazea und Couperose
Variante 2: NFMRF – Non-Insulated Fractional RF
(Energie entlang der gesamten Nadellänge)
- Nadeln sind nicht isoliert – RF Energie über die GESAMTE Nadellänge
- breitere thermische Wirkung in allen Hautschichten gleichzeitig
- stärker bei hartnäckigen Rötungen
- ideal bei therapieresistenter Rosazea
- intensive Modulation der Gefäßreaktivität
Wichtig:
RF-Microneedling darf nicht bei aktiver, pustulöser Rosazea angewendet werden.
| Aspekt | Klassisches Microneedling | RF mit vergoldeten Nadeln (isoliert) |
| Nadeln | Edelstahl/Titan | Vergoldet, isoliert |
| RF-Energie | ❌ Keine | ✅ Ja, nur an Nadelspitze |
| Wärmeort | Keine Wärme | Tiefe Dermis gezielt |
| Oberflächentrauma | Hoch (Blutung) | Minimal |
| Entzündungsreiz | Stark | Gering |
| Bei Rosazea | ⛔ Kontraindiziert | ✅ Erlaubt |
SQT® Bio-Microneedling – natürlich, aber nicht harmlos
Die Spongilla-Spicules erzeugen einen mechanischen Reiz, aber:
- ohne Hitze
- ohne metallische Nadeln
- ohne starken Entzündungsschub
Damit ist SQT geeignet für:
- Couperose
- stabile Rosazea (ohne Papeln/Pusteln)
Nicht geeignet für:
- entzündliche Schübe
- extrem reaktive Rosazea
Medizinische, aber für beide sehr wirksame Optionen
Auch wenn du sie nicht selbst durchführen darfst, gehören diese beiden Methoden zu den stärksten Gefäßbehandlungen überhaupt. Deine Rolle ist entscheidend: erkennen, wann diese Eingriffe sinnvoll sind – und deine Kund:innen kompetent begleiten.
IPL (Intense Pulsed Light) – die effektivste Methode zur Gefäßreduktion
IPL arbeitet mit intensiv gepulstem Licht, das selektiv von Hämoglobin aufgenommen wird. Dadurch entstehen drei exakt definierte Schritte:
- Die Gefäße erwärmen sich selektiv.
Das Licht trifft nur die Blutgefäße – nicht das umliegende Gewebe. - Die instabilen Gefäßwände kollabieren kontrolliert.
Durch die kurze, gezielte Hitze gerinnt Eiweiß, die Gefäßwand verliert Spannkraft. - Der Körper baut das kollabierte Gefäß ab.
Makrophagen räumen die Überreste ab, das Gefäß verschwindet.
Das Ergebnis:
weniger Rötung, weniger Flushing, weniger Teleangiektasien – oft schon nach wenigen Sitzungen.
IPL wirkt bei:
- reiner Couperose
- Papulopustulöser Rosazea (mit Vorsicht, aber wirksam)
- rezidivierenden Flushsymptomen
- erweiterten Oberflächengefäßen
Allerdings ist IPL in Österreich und Deutschland klar medizinisch geregelt und darf nur unter ärztlicher Aufsicht bzw. durch medizinisches Fachpersonal erfolgen.
Für dich bedeutet das:
- Du erkennst, ob ein IPL-Eingriff sinnvoll wäre.
- Du übergibst an kompetente Dermato-Kooperationspartner.
- Du begleitest die Vor- und Nachpflege.
- Du kombinierst medizinische IPL-Therapie mit Studio-Behandlungen wie LED oder RF für optimale Ergebnisse.
Damit positionierst du dich als professionelle Ansprechperson, die Kund:innen sicher durch den Prozess führt – ohne selbst IPL durchzuführen.
Nd:YAG-Laser (1064 nm)- wenn Gefäße tiefer sitzen
Der Nd:YAG-Laser ist ein weiterer wichtiger medizinischer Baustein. Mit seiner tiefen Eindringtiefe (deutlich tiefer als IPL) eignet er sich besonders für:
- größere Teleangiektasien
- tiefer gelegene Gefäße
- robustere Couperose-Muster
- Gefäße, die auf IPL nicht ausreichend ansprechen
Auch hier wird das Zielblutgefäß selektiv erhitzt, jedoch mit gebündeltem, monochromatischem Laserlicht. Die Wirkung ist oft unmittelbarer, manchmal intensiver, dafür aber ebenfalls nur im medizinischen Rahmen erlaubt.
Für deine Arbeit im Studio heißt das:
- Du erkennst Fälle, in denen LED/RF/SQT nicht ausreichen.
- Du weißt, wann tiefere Gefäße nur noch mit Laser adressiert werden können.
- Du kannst Kund:innen realistisch einschätzen und entsprechend weiterleiten.
- Du begleitest die Haut nach der Laserbehandlung durch beruhigende, stabilisierende Routine.
Absolute No-Gos für beide Hautzustände
Damit du dich klar von Studios abhebst, die Fehler machen, hier die absoluten No-Gos:
- klassisches Needling (ohne RF)
→ zu viel Trauma
→ erhöht Entzündung
→ kann Rosazea verschlimmern - AHA/BHA-Peelings bei aktiver Rosazea
→ Barriere wird geschwächt - Dampfbehandlungen
→ Wärme + Feuchtigkeit = Trigger - aggressive Massage
→ Vasodilatation verschlimmert Rötungen - Kältebehandlungen inkl. Coolifting
→ Kälte löst bei Rosazea häufig Rebound-Rötung aus
Das Wissen darüber macht dich glaubwürdig – und zeigt Kund:innen sofort, dass sie bei dir in sicheren Händen sind.
Warum Kälte bei Rosazea ein Problem ist
Auch wenn viele Kund:innen intuitiv denken, dass „Kälte doch beruhigen müsste“, reagiert Rosazea-Haut darauf oft genau gegenteilig. Dermatologische Quellen zeigen, dass plötzliche oder intensive Kältereize einen sogenannten „Cold Flush“ auslösen können: Die Gefäße ziehen sich bei Kälte zwar zuerst stark zusammen, öffnen sich aber danach reflexartig wieder – oft stärker als zuvor. Dieses „Gefäß-Rebound“ verursacht ausgeprägte Rötungen, Hitzegefühl, Brennen und kann sogar Schübe triggern.
Besonders problematisch sind:
- eiskalte Luft
- Kältebehandlungen im Gesicht (z. B. Eisbälle, Coolifting, Kryo-Tools)
- abrupte Temperaturwechsel (vom Kalten ins Warme)
Bei Rosazea sind nicht nur Hitze, sondern auch Kälte und schnelle Wechsel ein Trigger für neurovaskuläre Fehlreaktionen. Die sensible Gefäßregulation überreagiert und führt zu starken, oft langanhaltenden Rötungen. Für die Praxis bedeutet das: Kühlende Tools im Gesicht sind tabu, und auch Homecare-Kunden sollten auf „Eiswürfel-Tricks“ verzichten.
Wie du Rosazea-Behandlungen erklärst, empfiehlst und verkaufst
Viele Kosmetiker:innen scheitern nicht an der Behandlung, sondern daran, wie sie sie erklären. Rosazea-Kund:innen sind oft verunsichert, haben schon viel probiert und reagieren sensibel – nicht nur die Haut, sondern auch emotional. Mit diesen Strategien gewinnst du sofort Vertrauen.
Strategie 1: Diagnosekompetenz zeigen — ohne zu diagnostizieren
Rosazea-Patient:innen hören ständig: „Das ist empfindliche Haut.“
Wenn du dagegen sagst:
„Ich sehe hier typische Gefäßmuster und Reaktionen, die auf eine Rosazea hindeuten können.“
…fühlen sie sich endlich ernst genommen.
Strategie 2: Logisch aufbauen — Trigger → Stabilisierung → Behandlung
So erklärst du es leicht verständlich:
„Bevor wir etwas behandeln, beruhigen wir erst die Haut und stabilisieren die Barriere. Dann bringen LED und RF die Gefäße wieder ins Gleichgewicht. Und wenn bestimmte Gefäße stärker ausgeprägt sind, empfehle ich eine medizinische IPL-Behandlung.“
Das wirkt strukturiert, professionell und nachvollziehbar.
Strategie 3: Behandlungen verbinden, statt einzeln zu verkaufen
Rosazea braucht Kontinuität, keine Einmalbehandlung.
Perfekte Kombination:
- LED 1× pro Woche → Entzündung runter
- RF alle 3–4 Wochen → Gefäßstabilisierung
- SQT → nur bei stabiler Couperose
Du verkaufst nicht „eine Behandlung“, sondern „ein Konzept“.
Strategie 4: Kundenbindung durch Aufklärung
Gib deinen Kund:innen kleine, verständliche Hinweise mit:
- „Bitte kein heißes Wasser im Gesicht.“
- „UV-Schutz ist nicht optional.“
- „Kälte kann genauso triggern wie Hitze.“
Je mehr sie merken, dass du ihnen hilfst, desto weniger denken sie über Preise nach.
Strategie 5: Zeitpunkt realistisch erklären
Rosazea ist eine Reise, keine Sprintdisziplin.
Perfekte Erklärung:
„Nach 2–3 Wochen sehen wir erste Veränderungen. Nach 8–12 Wochen stabilisiert sich die Haut deutlich. Wichtig ist: Wir arbeiten gegen eine chronische Überreaktion – das braucht Geduld, aber die Ergebnisse sind es wert.“
Fazit – der Schlüssel zu echten Ergebnissen
Couperose und Rosazea sind keine einfachen Rötungen. Es sind komplexe Gefäß- und Entzündungsgeschehen, die präzise und unterschiedlich behandelt werden müssen. Couperose erlaubt manche intensiveren Methoden – Rosazea dagegen benötigt stabile, thermische, kontrollierte Verfahren und eine konstante, professionelle Betreuung.
Mit der Kombination aus:
- LED
- reiner RF
- RF-Microneedling
- SQT (bei stabiler Haut)
- und medizinischer IPL-/Lasertherapie
hast du ein modernes, effektives Werkzeugset, das wissenschaftlich belegt wirkt und gleichzeitig die sensible Rosazea-Haut respektiert.
Und genau hier liegt deine Stärke:
Du erkennst, was möglich ist, was gefährlich wäre und wie du Behandlungen so kombinierst, dass Rötungen dauerhaft zurückgehen, die Haut stabiler wird und Kund:innen spürbar mehr Lebensqualität gewinnen.
Weitere Informationen:
https://www.usz.ch/krankheit/rosacea/
https://www.mdmverlag.com/energy-based-devices/ipl-und-laserbehandlung-der-rosazea/
https://www.springermedizin.de/rosazea/microneedling/radiofrequenz-mikroneedling--die-loesung-bei-rosazea-/16278734
https://www.mdmverlag.com/energy-based-devices/vaskulaere-laesionen-ipl-technologien-fuer-die-behandlung-von-rosazea/
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17190628/
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39606600/
https://gerdkautz.de/wp-content/uploads/2015/11/FP_2014_05_HAUT_Uebersicht_Dr_Kautz.pdf
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