Wie KI, Fachwissen und kritisches Hinterfragen die Kosmetikbranche verändern – und warum das gut so ist
Es gab in der Kosmetik lange eine unausgesprochene Übereinkunft: Wenn ein Produkt gut erklärt ist, gut aussieht und sichtbar „etwas macht“, dann wird es schon passen. Die Liste der Inhaltsstoffe war da, aber sie spielte selten die Hauptrolle. Sie war Pflicht, nicht Werkzeug. Etwas für Schulungsunterlagen, nicht für Entscheidungen im Alltag.
Genau das beginnt sich gerade zu verändern. Nicht schlagartig, nicht laut – aber spürbar. Und vor allem unumkehrbar.
Denn heute ist die Liste der Inhaltsstoffe nicht mehr nur ein formaler Bestandteil der Verpackung. Sie ist plötzlich lesbar, erklärbar und hinterfragbar. Nicht nur für Chemiker:innen oder Hersteller, sondern für alle, die Verantwortung tragen – insbesondere für Kosmetiker:innen.
Was heute anders ist als früher
Früher war das Hinterfragen von Inhaltsstoffen aufwendig. Man musste recherchieren, Fachliteratur wälzen oder auf Schulungen hoffen, in denen genau diese Frage zufällig beantwortet wurde. Im Studioalltag blieb dafür meist wenig Zeit. Man arbeitete mit Erfahrung, mit Vertrauen – und nicht selten auch mit Erklärungen, die plausibel klangen und deshalb übernommen wurden.
Heute ist diese Hürde praktisch verschwunden.
Die Liste der Inhaltsstoffe eines Produkts kann heute in eine KI wie ChatGPT eingegeben werden – und innerhalb weniger Sekunden erhält man eine verständliche Einordnung. Nicht perfekt, nicht unfehlbar, aber ausreichend klar, um Zusammenhänge zu erkennen. Und vor allem: schnell genug, um im echten Berufsalltag relevant zu sein.
Diese Möglichkeit verändert Entscheidungen und auch Erwartungen.
Der Auslöser bei uns: ein bekanntes Produkt, neu betrachtet
Auch wir bei MB SkinRevolution prüfen Produkte intern, bevor wir sie in unser Sortiment aufnehmen und an Kosmetiker:innen weitergeben. Wir haben keine eigene Kabine – neue Produkte werden an uns selbst getestet, an Mitarbeiter:innen, und auch die Geschäftsführung probiert alles aus. Das ist unsere Form von Praxisprüfung, bevor etwas empfohlen wird.
Der Auslöser für diesen Artikel war kein neues Produkt, sondern eines, das wir bereits kannten. Es zeigte einen sichtbaren Effekt. Die Haut wirkte kurzfristig praller, deutlich verändert. Dieser Effekt war erklärt, kommuniziert und wurde genau so auch wahrgenommen: als gewünschtes Ergebnis.
Damals wurde nicht weiter hinterfragt, warum dieser Effekt entsteht. Er war da – und das schien ausreichend.
Als später die Überlegung aufkam, dieses Produkt auch in einem anderen Kontext einzusetzen, stellte sich erstmals eine andere Frage: Nicht „funktioniert es?“, sondern „was passiert hier eigentlich genau in der Haut?“
Die Liste der Inhaltsstoffe wurde gezielt analysiert, um das Produkt fachlich einzuordnen.
Die Analyse brachte einen unangenehmen Befund:
Der sichtbare Effekt war keine echte kosmetische Wirkung, sondern eine unerwünschte Hautreaktion. Die kurzfristig pralle Optik entstand durch eine akute Reizung der Haut – eine Schwellung, die leicht mit Wirkung verwechselt wird, im Kern jedoch problematisch sein kann, wenn sie gezielt provoziert und wiederholt wird.
Mit anderen Worten: Das Produkt „hat funktioniert“. Aber nicht auf die Art, wie man es sich fachlich wünschen würde.
Warum die Art der Frage den Unterschied macht
An diesem Punkt wird etwas sehr deutlich: Kosmetiker:innen sollten sich nicht auf die Aussagen der Werbeindustrie verlassen, sondern selbst kontrollieren. Das bedeutet aber auch, den richtigen Umgang mit der KI zu lernen.
Was beim Arbeiten mit KI oft unterschätzt wird: Nicht die KI entscheidet, wie gut die Antwort ist – sondern die Frage. Im Fachjargon: der Prompt.
Viele Konsument:innen nutzen KI heute sehr oberflächlich. Und das ist auch völlig legitim. Typische Fragen sind etwa:
„Sind diese Inhaltsstoffe gut?“
„Ist dieses Produkt schlecht/gut für die Haut?“
Solche Fragen liefern grobe Einschätzungen. Sie sind hilfreich, um ein erstes Gefühl zu bekommen. Aber sie bleiben allgemein. Und genau hier liegt der Unterschied zwischen Konsument und Profi.
Als Kosmetiker:in oder Institut trägst du Verantwortung – für Empfehlungen, für Anwendungen, für das, was du weitergibst. Entsprechend muss auch die Frage präziser sein.
Eine professionellere, absichernde Frage wäre zum Beispiel:
„Bitte erkläre mir diese Liste der Inhaltsstoffe aus kosmetischer Sicht. Welche Stoffe sind funktional relevant, welche dienen vor allem der Sensorik oder dem Marketing? Gibt es Bestandteile, die bei intensiveren Anwendungen oder empfindlicher Haut kritisch sein könnten?“
Oder noch konkreter:
„Bewerte diese Inhaltsstoffliste im Hinblick auf eine professionelle Anwendung im Kosmetikinstitut. Welche Effekte beruhen auf echten Wirkmechanismen, welche eher auf Hautreaktionen?“
Der Unterschied zwischen diesen Fragen ist enorm. Die zweite zwingt die KI, den Kontext mitzudenken: Anwendung, Verantwortung, Risiko. Und genau das ist der Punkt, an dem KI für Profis wirklich wertvoll wird.
Warum genauere Fragen ein echter Vorteil sind
Je präziser die Frage, desto brauchbarer die Antwort. Das klingt banal, ist aber entscheidend.
Für Kosmetiker:innen bedeutet das vor allem eines: Sicherheit. Nicht im Sinne von Angst oder Kontrolle, sondern im Sinne von Klarheit. Wer weiß, warum ein Effekt entsteht, kann bewußt entscheiden, ob er gewünscht ist – oder eben nicht.
Diese Klarheit verändert auch die Beratung. Kund:innen fragen heute nach. Sie googeln, sie analysieren, sie kommen mit Screenshots. Wer dann nur mit Marketingargumenten antworten kann, gerät schnell in Erklärungsnot.
Wer hingegen sagen kann: „Ich habe mir die Inhaltsstoffe angesehen, ich weiß, wie dieses Produkt wirkt – und deshalb empfehle ich es oder eben nicht“, steht auf einem ganz anderen Fundament.
Warum Wissen für Kosmetiker:innen ein echter Vorteil ist
Du wirst sicherer – und entspannter
Du kannst Entscheidungen treffen, die du fachlich vertreten kannst – auch wenn jemand nachfragt.
Du wirst glaubwürdiger
Kund:innen spüren den Unterschied zwischen genauen Erklärungen und einem einfachen „Das ist super, weil ich es sage“. Fachliche Klarheit ist heute ein Wettbewerbsfaktor.
Du kannst schneller aussortieren
Nicht jedes Produkt verdient einen Testmonat. Manches erkennt man an der Inhaltsstoffliste in 30 Sekunden: passt oder passt nicht. Das spart Zeit und Geld.
Du schützt dich – fachlich und praktisch
Wer vor einer Anwendung prüft, ob eine Formulierung überhaupt dazu passt, reduziert Risiko. Nicht aus Angst – sondern aus Professionalität.
Wenn Kund:innen schneller sind als das Studio
Diese Entwicklung betrifft nicht nur Fachkreise – sondern längst auch die Kund:innen selbst. Die gleichen KI-Werkzeuge stehen auch ihnen zur Verfügung, und viele nutzen sie bereits.
Das bedeutet: Ein Produkt, das verkauft oder empfohlen wird, wird oft erst nach dem Kauf genauer geprüft. Die Inhaltsstoffe werden analysiert, erklärt, bewertet. Und wenn dabei herauskommt, dass Versprechen und Zusammensetzung nicht zusammenpassen, bleibt eine Frage im Raum – nicht an den Hersteller, sondern an das Studio.
Nicht, weil jemand etwas falsch gemacht hat. Sondern weil Erwartungen und Realität nicht sauber zusammengebracht wurden.
In dieser Situation hilft es enorm, wenn man selbst bereits genau diese Fragen gestellt hat – bevor man empfiehlt oder verkauft.
Warum Hersteller vieles dürfen - und Kosmetiker nicht.
Ein Hersteller darf ein Kosmetikum verkaufen, bewerben und Suggestionen machen, solange er im rechtlichen Rahmen bleibt. Das ist Marketing. Das ist Markt.
Die konkrete Anwendung und Empfehlung passiert aber im Studio. Und damit liegt die Verantwortung dort, wo die Entscheidung getroffen wird: bei der Person, die es einsetzt oder verkauft.
Und genau deshalb ist es sinnvoll, die neuen Möglichkeiten für mehr Wissen zu nutzen – um besser zu beraten, sicherer zu behandeln und auch schneller reagieren zu können. In anderen Worten: um sauber zu arbeiten.
Was das für uns bei MB SkinRevolution bedeutet
Für uns bei MB SkinRevolution hat sich genau hier etwas Entscheidendes verändert. Nicht die Produkte – sondern die Möglichkeiten, sie im Vorfeld wirklich zu verstehen.
Wenn Marketing lauter ist als Inhaltsstoffe, braucht es Werkzeuge, die wieder Ordnung schaffen. Heute können wir genauer hinschauen, bevor wir etwas empfehlen oder in unser Sortiment aufnehmen. Wir können hinterfragen, einordnen und erklären – nicht erst nach einer Erfahrung, sondern davor. Das schafft Klarheit und Vertrauen.
Genau das verstehen wir unter Kundenservice: nicht alles anzubieten, was verfügbar ist, sondern das weiterzugeben, was wir fachlich vertreten können – mit Blick auf eine transparentere, verantwortungsvollere Kosmetikbranche.
Mietmodelle
Für alle, die kosmetische Technologien ohne große Anfangsinvestition nutzen möchten, stehen unsere Mietmodelle zur Verfügung.
Details findest du auf unserer Mietseite.
